﻿{"id":42,"date":"2014-11-25T19:46:55","date_gmt":"2014-11-25T18:46:55","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/?p=42"},"modified":"2016-02-07T00:29:16","modified_gmt":"2016-02-06T23:29:16","slug":"maedchen-in-klassenraum-neumond-phase-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/?p=42","title":{"rendered":"M\u00e4dchen in Klassenraum"},"content":{"rendered":"<div class=\"post-content userContent\">\n<p class=\"post-content-inner notiz\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Eine ganz besondere Muse stellte einmal eine Aufgabe. Dies ist nicht die Erf\u00fcllung der Aufgabe, dies ist eine Idee, die aus der Idee zur L\u00f6sung der Aufgabe hervorging. Wie wenn ein Stein ins Wasser f\u00e4llt. Was hier steht, ist eine der \u00e4u\u00dfersten Wellen, nicht der Stein.<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000000;\"> <em> Im \u00dcbrigen: Titel zu finden ist bei Literatur immer schwierig, deshalb dachte ich mir, mache ich das mal so wie man es immer in Museen sieht und benenne es ganz unpoetisch nach dem was man sieht. Das ist nicht wirklich toll, wie gesagt, unpoetisch und auch nicht richtig genau, aber ich habe mal geh\u00f6rt, ein Titel soll verwirren, nicht ordnen.<\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"post-content-inner notiz\" style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Und ein Autor schreiben, nicht reden.<\/em><\/span><\/p>\n<div class=\"post-content-inner\" style=\"text-align: center;\">\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000080;\">\u201eGut, dass sie kommen konnten, Frau Wolfgang.\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eGerne. Sie wollten mit mir \u00fcber Karos Kunstunterricht reden?\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eJa, Frau Wolfgang. Ich m\u00f6chte, dass sie sich hier diese Bilder ansehen.\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Es entstand eine kurze Stille. Karo sa\u00df am Rande des Tisches auf einem der St\u00fchle, die mit einem gr\u00fcnen Punkt gekennzeichnet waren (nicht mehr f\u00fcr die Kleinen, aber auch nicht f\u00fcr die ganz gro\u00dfen an der Grundschule). Man ignorierte sie. Die beiden Erwachsenen beugten sich \u00fcber ihre Bilder, sie konnte nicht sehen, welches davon sie betrachteten, aber sie beschlich ein Gef\u00fchl des Unrechts. Warum durfte die Lehrerin \u00fcberhaupt ihre Bilder haben?<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eKaro hat nun mal viel Fantasie\u2026\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Karo mochte ihre Fantasie. Manche Erwachsenen sahen irgendein Problem damit, dass sie nicht verstand.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eFrau Wolfgang, sie behauptet vor anderen ihn gesehen zu haben.\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Das hatte sie. In einem Buch. Reicht das nicht, um ihn zu malen?<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eSie bekam zu Weihnachten Peterchens Mondfahrt. Ich denke, es hat ihr einfach sehr gefallen\u2026\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eDie Aufgabe war es, Bilder zum bevorstehenden Sankt-Martins-Zug zu malen. Frau Wolfgang, ich bef\u00fcrchte, ihre Tochter glaubt wirklich, dass es n\u00e4chsten Samstag auf unseren Stra\u00dfen so aussehen k\u00f6nnte\u2026 Karo. Sag mir, was hast du hier gemalt? Was ist das wei\u00dfe, da bei den Kindern.\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Die Lehrerin hielt ihr das Bild unter die Nase. Karo war sehr stolz darauf, das wei\u00df so gut hinbekommen zu haben. Wei\u00df war am schwersten auf blankem Papier, weil es ja kein richtiges Wei\u00df sein konnte, ansonsten sieht man es ja nicht, statt dessen musste man eine andere Farbe nehmen, aber die so hell, dass alle an wei\u00df <em>dachten<\/em>. Es umspielte die drei gemalten Kinder fast wie strahlen, als w\u00e4ren sie es, die leuchteten. So stellte sie es sich vor, wenn er da w\u00e4re.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eMondstrahlen.\u201c, sprach sie das faszinierende und fremde Wort aus und mit wachsendem Trotz: \u201eVom Mond. Der ist da.\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Ihren Finger stie\u00df sie gegen das Papier oben in der Mitte. Die gro\u00dfe, runde Scheibe mit einem Strahlenkranz wie bei der Sonne, aber eben in wei\u00df statt gelb.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eAch, Karo.\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Sie fand, sie hatte genug gesagt und schaltete auf Durchzug.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> <em>Laterne, Laterne, die Sonne und die Sterne\u2026<\/em>, begann sie im Kopf zu singen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Am Abend zuhause nahm sie ihr Vater zur Seite. Er ging mit ihr in den Garten und zeigte auf den Himmel.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eSchatz, sieh doch, da ist kein Mond. Der Mond ist nur eine Geschichte. Die Menschen haben sich fr\u00fcher vorgestellt, dass es auch eine Nachtsonne gibt, weil sie Angst hatten im Dunkeln. Aber es gibt ihn in Wahrheit nicht. Und das ist doch nicht schlimm, du hast doch keine Angst im Dunkeln\u2026\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eWas ist falsch daran, eine Geschichte zu sein?\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> \u201eNichts, Liebling.\u201c Ihre Mutter strich ihr \u00fcbers Haar, \u201eAber es gibt die echte Welt und es gibt Geschichten und du darfst beides nicht vermischen.\u201c<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Wenn ihre Mutter es sagte, war sie bereit es zu akzeptieren, ihr zuliebe. Das alles machte sie traurig, ohne dass sie verstand, woran es genau lag.<\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine ganz besondere Muse stellte einmal eine Aufgabe. Dies ist nicht die Erf\u00fcllung der Aufgabe, dies ist eine Idee, die aus der Idee zur L\u00f6sung der Aufgabe hervorging. Wie wenn ein Stein ins Wasser f\u00e4llt. Was hier steht, ist eine der \u00e4u\u00dfersten Wellen, nicht der Stein. 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