﻿{"id":22,"date":"2014-11-11T02:32:05","date_gmt":"2014-11-11T01:32:05","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/?p=22"},"modified":"2016-02-07T00:36:39","modified_gmt":"2016-02-06T23:36:39","slug":"der-sumpf-23","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/?p=22","title":{"rendered":"Der Sumpf 2\/3"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Egal wie absolut die Dunkelheit vor deinen Augen erscheint, hast du dich an sie gew\u00f6hnt, wirst du sie durchdringen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Ich bin immer noch hier&#8230;<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Ich nehme meinen K\u00f6rper wahr in dieser Tiefe. Gehalten von ihm, davor bewahrt, allein im Nichts zu schweben. In seiner z\u00e4rtlichen Umarmung, in seinen wundersch\u00f6nen Augen, m\u00f6chte ich vergehen. Schicht um Schicht meiner vergangenen Existenz wird so langsam und behutsam durch ihn abgel\u00f6st und im gleichen Ma\u00dfe, wie er Millimeter um Millimeter fortschreitet und sich meinem eigenen, so lange schon versteckten, dunklen Kern n\u00e4hert, werde ich leichter. Was mich bedr\u00fcckte, f\u00e4llt von mir genauso ab, wie das Fleisch von meinem K\u00f6rper, verfl\u00fcchtigt sich, als w\u00e4ren all die schlimmen Zeiten zur schwarzen Fl\u00fcssigkeit zersetzt, die dort langsam von meinem K\u00f6rper wegtreibt und sich in meinem Besch\u00fctzer und H\u00fcter endg\u00fcltig aufl\u00f6st.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Ich stelle mir vor, dass es sich genau so anf\u00fchlen muss, selbst f\u00fcr den gesch\u00e4ftigen, ruhelosen Rhein: So ist es, seine Bestimmung zu finden. Das Meer zu erreichen. Wenn das eigene Ende ohne Angst, ohne Wut oder Entt\u00e4uschung den Einzelnen erreicht, weil er sich l\u00e4ngst im Gegen\u00fcber erkannte und nur in eine h\u00f6here Einheit aufgeht. Gleiches, sich endlich in Gleiches aufl\u00f6st.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Der Rhein hat das Meer und ich die geheimnisvollen, tr\u00f6stenden Augen meines stillen Besch\u00fctzers.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Mein K\u00f6rper, einst pr\u00e4chtiger Tempel einer unbekannten Gottheit, wird zur vergessenen Ruine, ein Haufen bedeutungsloser Tr\u00fcmmer. Ich erkenne mich in ihnen nicht mehr, mein Spiegelbild, sogar mein Name ist weggesp\u00fclt. Und ich bin endlich frei.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Auf meinen wahren Kern zusammen geschrumpft bin ich so leicht. Befreit von all dem Ballast scheint die Welt hier bei mir, wie auch die Welt dort \u00fcber mir so voller Sch\u00f6nheit, so klarer als zuvor. Ich h\u00f6re dem Wind zu, wie am ersten Tag, aber erst jetzt verstehe ich, was er singt, erst jetzt will ich ihm antworten! Ich recke mich im Nebel den B\u00e4umen entgegen und zupfe an den Bl\u00e4ttern der Trauerweide, um sie zum Lachen zu bringen. Sie tut es dann auch wirklich. Im Herbst begr\u00fc\u00dfte ich den Heim kehrenden Regen, die Geschichten, die er zu erz\u00e4hlen hat sind voller Fernweh und k\u00fcnden vom Fliegen. Ich verziere den Winter mit Eisblumen, solang ich kann, aber letztendlich muss ich doch einschlafen, wie alles um mich her. Ich suche die Umarmung meines schweigsamen Besch\u00fctzers und lausche der Stille. Im Tau des Fr\u00fchlings dann, traue ich mich aufs Ufer hoch und k\u00fcsse heimlich die Wange eines Jungen, der sich hier ausruht. Aber dann bin ich nicht sicher, ob ich das nicht nur tr\u00e4umte, w\u00e4hrend ich ihn aus dem Schilf beobachtete. H\u00e4tt ich das nur getan, als ich noch Lippen hatte.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> H\u00e4tte ich getanzt, als ich noch einen K\u00f6rper hatte.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Egal wie absolut die Dunkelheit vor deinen Augen erscheint, hast du dich an sie gew\u00f6hnt, wirst du sie durchdringen. Ich bin immer noch hier&#8230; Ich nehme meinen K\u00f6rper wahr in dieser Tiefe. Gehalten von ihm, davor bewahrt, allein im Nichts zu schweben. In seiner z\u00e4rtlichen Umarmung, in seinen wundersch\u00f6nen Augen, m\u00f6chte ich vergehen. 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