﻿{"id":183,"date":"2016-02-08T00:47:10","date_gmt":"2016-02-07T23:47:10","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/?p=183"},"modified":"2016-02-08T00:49:19","modified_gmt":"2016-02-07T23:49:19","slug":"nebel-am-eisernen-steg-12","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/?p=183","title":{"rendered":"Nebel am Eisernen Steg 1\/2"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\"><em>Das Wasser des Mains flie\u00dft so gem\u00e4chlich, dass es fast zu stehen scheint. Es gleitet vorbei ohne gro\u00dfen Sinn f\u00fcr seine hektische Umgebung. Es hat etwas Hypnotisches in seinem z\u00e4hen Lauf und als ich zum ersten Mal von der Br\u00fcstung aus auf es hinunter starrte, schien es mir, als w\u00fcrde es meinen Blick erwidern. Als rief es nach mir.<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Die Stadt an seinem Ufer ist anders. Sie hat nie etwas von mir erwartet. Sie ist auch nie ruhig und still, aber es gibt da diese bestimmten, seltenen Momente, wenn mit der D\u00e4mmerung der Nebel aus dem Wasser kriecht und seine Wanderung \u00fcber das Ufer beginnt. Es ist, als w\u00fcrde der Rest der Welt kurz stillstehen und der Nebel zieht wie durch ein Bild.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Es treibt mich mit auf diesen Spaziergang, ich kann gar nicht anders. Die Luft ist kalt und klamm, es ist fast, wie noch im Wasser zu sein, nur das die Welt hier steht und nicht zerflie\u00dft wie dort.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Ich sehe die Nilenten neben einer Baustelle schlafen. Ein einzelner Schwan unter ihnen. Im Hintergrund eine verwunschene Insel. Sie ragt kaum aus dem Nebel hervor. Meine F\u00fc\u00dfe sto\u00dfen gegen ein umgekipptes Baustellenschild. Es liegt verkehrt herum und hat eine silberne R\u00fcckseite. Den Blick nicht von der Szenerie wendend gehe ich in die Hocke. Ich habe Angst, dass die Enten, der Schwan und die Insel einfach verschwinden k\u00f6nnten, wenn ich den Blick abwende. Aber ich muss, sonst kann ich es nicht tun! Ich muss kurz auf das Schild sehen, sonst wird es nicht gut\u2026<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Ich habe fr\u00fcher nicht gemalt. Ich wei\u00df nicht warum, es ist mir einfach nie in den Sinn gekommen. Das mache ich erst, seit alles so ist, wie es jetzt ist und ich nichts ber\u00fchren kann, ohne es unter meinen Fingern zu ver\u00e4ndern. Zuerst habe ich es f\u00fcr einen Fluch gehalten, ein Mahl der Verg\u00e4nglichkeit, das ich \u00fcberall hinterlasse, als Strafe f\u00fcr das, was ich mir angetan habe. Ich w\u00fcrde nicht sagen, dass ich heute einen Sinn darin gefunden habe, aber ich mache damit etwas. Etwas\u2026 Sch\u00f6nes\u2026<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Meine klammen Finger hinterlassen kleine Rostblumen auf der silbernen Oberfl\u00e4che. Ich habe nicht viel Zeit \u00fcber das Motiv nachzudenken, jeder Zug muss sitzen. Ich skizziere das Ufer, die V\u00f6gel, die \u00c4ste, die gespenstisch aus dem Grau des Nebels ragen, wie jetzt der Rost aus dem Grau des Schildes.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Der Nebel zieht enger, die Szenerie verschwindet und er treibt mich weiter, aber ich sehe noch einmal herunter auf mein Bild aus Rost und es ist gut, ich hab einfangen k\u00f6nnen, was ich sehen durfte. Es verschwindet im Grau. Wenn ich nicht weiter gehe, dann endet mein Spaziergang hier. Man muss mit dem Nebel Schritt halten.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wasser des Mains flie\u00dft so gem\u00e4chlich, dass es fast zu stehen scheint. Es gleitet vorbei ohne gro\u00dfen Sinn f\u00fcr seine hektische Umgebung. Es hat etwas Hypnotisches in seinem z\u00e4hen Lauf und als ich zum ersten Mal von der Br\u00fcstung aus auf es hinunter starrte, schien es mir, als w\u00fcrde es meinen Blick erwidern. Als [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[8,12,29,30,6],"class_list":["post-183","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichten","tag-geist","tag-geschichten","tag-main","tag-malen","tag-tod"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/183","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=183"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/183\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":186,"href":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/183\/revisions\/186"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}