﻿{"id":148,"date":"2015-06-02T01:51:55","date_gmt":"2015-06-02T00:51:55","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/?p=148"},"modified":"2016-02-07T00:39:39","modified_gmt":"2016-02-06T23:39:39","slug":"der-nachbar","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/?p=148","title":{"rendered":"Der Nachbar"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000080;\">Ich schaue auf die Uhr, nur um herauszufinden, dass ich l\u00e4ngst schlafen sollte. Es ist beinahe drei und bald klingelt schon wieder der Wecker. Im Fernseher wird geplappert, als ob die Nacht kein Ende hat, aber leider bel\u00fcgen sie sich selbst. Ich suche also die Fernbedienung, um auf Gedanken Taten folgen zu lassen, aber sie muss mir herunter gefallen sein\u2026 Ich kann sie einfach nicht finden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Dann wei\u00df ich pl\u00f6tzlich, dass dieser Nachbar durchs Treppenhaus geht. Ich sehe vom Wohnzimmer aus in Richtung Haust\u00fcr und halte den Atem an. Es ist der Nachbar, der so seltsam ist, der pl\u00f6tzlich mitten in der Nacht in der Wohnung \u00fcber mir tobt und schreit, als wollte er das Haus einrei\u00dfen und dann genau so pl\u00f6tzlich wieder verstummt. Der Nachbar, der mich manchmal so seltsam anstarrt und dann mir mit einem L\u00e4cheln seine viel zu langen, spitzen Z\u00e4hne zeigt. Genau dieser Nachbar ist nicht weiter in Richtung Stra\u00dfe gegangen. Er steht vor meiner T\u00fcr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Er kratzt an meiner T\u00fcr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Ich gehe langsam aus der K\u00fcche raus, ich bin so leise wie eine Katze. Im Flur ist es dunkel und kalt, aber die T\u00fcr ist gut zu sehen. Unter ihr bricht sich das Tageslicht aus dem Treppenhaus bahn. Es leuchtet bis zu mir und man sieht deutlich den Schatten, den seine F\u00fc\u00dfe in meine Richtung werfen. Mein Herz schl\u00e4gt mir bis zum Hals im Rhythmus des Schabens und Scharrens. Der Schl\u00fcssel steckt, ich habe den unwiderstehlichen Drang zus\u00e4tzlich abzuschlie\u00dfen, damit er auf garkeinen Fall rein kann, aber dann wird er wissen, dass ich hier bin. Als ich dir T\u00fcr erreiche schwebt meine Hand \u00fcber dem Schl\u00fcssel. Ich ber\u00fchre ihn nicht, damit es nicht klimpert, ich atme nicht, er k\u00f6nnte auch das h\u00f6ren. Schn\u00fcffelt er? Er stockt, ich wei\u00df er hat mich gewittert und panisch drehe ich den Schl\u00fcssel um. Es ist, als w\u00fcrde vor meiner T\u00fcr die H\u00f6lle losbrechen. Er schreit, er tritt und schl\u00e4gt in Raserei gegen meine doch so d\u00fcnne Haust\u00fcr und ich stehe wie gebannt und hoffe, dass er keinen Weg rein findet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Dann wird es pl\u00f6tzlich still, nur das Schleifen seiner H\u00e4nde, als er sie an der T\u00fcr entlang gleiten l\u00e4sst, bis ganz nach unten, wo das Licht einen Weg in meine Wohnung aufzeigt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Lautlos schieben sich seine Finger durch diesen Spalt, unnat\u00fcrlich flach und breiter schieben sich seine Handfl\u00e4chen hinterher, seine Arme quellen als knochenlose Muskelmasse durch den Spalt, durch den mittlerweile kaum noch Licht dringt und werden erst im Flur wieder sehnig und fest. Und mit einem Mal begreife ich es!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Anna blinzelt! Das war alles nicht echt! Es kann ja nicht echt sein! Sie tr\u00e4umte, das war die einzig logische Erkl\u00e4rung! In Wahrheit liegt sie in ihrem Bett, oder ist auf dem Sofa vor dem Fernseher eingeschlafen. Diesen Nachbarn gibt es nicht. \u00dcber ihr wohnt niemand! Wie konnte sie das vergessen? Sie tritt von der T\u00fcr weg, sieht zu wie sich \u2013 was auch immer dieses Ding ist \u2013 immer weiter unter dem T\u00fcrspalt durchdr\u00fcckt und obwohl die Szene bereits so unwirklich geworden ist, dass sie sich selbst von oben sehen kann, wie sie dieses Ding anstarrt und dabei in dem Ma\u00dfe zur\u00fcckweicht, wie Es gr\u00f6\u00dfer wird, will sie nicht, dass es sie erreicht! Sie stolpert den Flur entlang, der nicht ihrer ist, nicht in Wirklichkeit, und stemmt sich im Wohnzimmer von Innen gegen die T\u00fcr. Aber es hat keinen Sinn, sie wei\u00df, sie muss aufwachen, um entkommen zu k\u00f6nnen! Das Ding schn\u00fcffelt schon am Schl\u00fcsselloch, aber sie versucht es zu ignorieren, denkt an ihr echtes Bett, indem sie gerade liegen muss, denkt an ihre Augen, ihre Augen die in Wahrheit zu sind, sie muss sie nur \u00f6ffnen! Sie muss nur wirklich aufwachen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Sie wachte auf, im ersten Moment verwirrt noch im Wohnzimmer zu sein. Aber der Fernseher lief noch, es war gerade erst drei Uhr Nachts. Als sie nach der Fernbedienung suchte, verga\u00df sie bereits das getr\u00e4umte, zur\u00fcck blieb ein dumpfes Unwohlsein, das sich im Flur \u2013 in ihrem richtigen Flur \u2013 noch verst\u00e4rkte. Aber sie sch\u00fcttelte es ab und noch bevor sie das Schlafzimmer erreichte, blieb nicht einmal mehr eine Ahnung ihres Traumes \u00fcbrig. Aber was h\u00e4tte ihr die Erinnerung auch gebracht? Nie w\u00e4re sie bereit gewesen zu glauben, dass nur ein Stockwerk h\u00f6her, in der unvermieteten Wohnung, ihr Nachbar sie zwischen den Dielen roch und langsam begann, sich seinen Weg durch die Dunkelheit zu bahnen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich schaue auf die Uhr, nur um herauszufinden, dass ich l\u00e4ngst schlafen sollte. Es ist beinahe drei und bald klingelt schon wieder der Wecker. Im Fernseher wird geplappert, als ob die Nacht kein Ende hat, aber leider bel\u00fcgen sie sich selbst. 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