﻿{"id":10,"date":"2014-11-08T03:11:44","date_gmt":"2014-11-08T02:11:44","guid":{"rendered":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/?p=10"},"modified":"2016-02-07T00:37:13","modified_gmt":"2016-02-06T23:37:13","slug":"der-sumpf-13","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/geschichten.im-geisterhaus.de\/?p=10","title":{"rendered":"Der Sumpf 1\/3"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000080;\">Es gibt einen Sumpf, nahe genug an der K\u00f6lner Bucht, um durch das gleiche Wasser beseelt zu sein, wie der gro\u00dfe Rhein. Jedoch fehlt ihm seine verf\u00fchrerische Weltgewandtheit, diese Sicherheit des Kosmopolit&#8230; doch was ihm an Weite, an ungest\u00fcmer Reiselust fehlt, ersetzt er durch eine unauslotbare Tiefe und stille Best\u00e4ndigkeit. Man wartete vergeblich darauf, in ihm das Licht der Metropolen gespiegelt zu sehen, verzerrt, doch immer noch lebendig und sch\u00f6n. Er gab nur das fahle Licht des Mondes, das tote Licht der Sterne wieder. Es drang tief in ihn ein und verlor sich Nacht f\u00fcr Nacht in seiner dunklen Seele, ohne den Grund je zu ber\u00fchren.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Nein, er bereiste nie die Welt, sein Wasser stand geradezu still, wie eine Verweigerung von Zeit und Wandel. Nichts zog lange Kreise in ihm. Verschwiegenheit war seine Tugend. Er ruhte still in sich selbst, einer abgeschottete Welt aus Vergangenheit, die f\u00fcr niemanden greifbar wurde.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Vielleicht w\u00e4hlte ich deshalb diesen Ort. Von dem Moment an, als ich zum ersten Mal sein kaltes Wasser mit meinen Fingern ber\u00fchrte, wusste ich, dass es meinen Durst stillen w\u00fcrde. Es war fr\u00fcher Nachmittag gewesen, still und regungslos lag er da und verschluckte stumm den Stein mit der Schnur, mit dem ich testete, ob er auch tief genug sei. Er ist unergr\u00fcndlich!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Ich legte mich ins Gras und h\u00f6rte das Land mit den B\u00e4umen fl\u00fcstern, w\u00e4hrend ich wartete. Es war so friedlich, ich war zufrieden, im reinen mit meiner Umwelt. Die Wolkendecke war so dicht, dass ich dem Verlauf der Sonne kaum folgen konnte. Manchmal konnte man sie ausmachen, eine schwache, klare Scheibe, nicht viel heller, als der Mond. \u00dcber allem lag ein diffuses Hell, ohne Ambitionen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Dann kam endlich die Nacht und mit ihr die Dunkelheit. Jemand hat einmal gesagt, egal wie schnell das Licht auch reist, sie war immer schon da. In ihr wachsen Babys, f\u00fcrchten sich Kinder, lieben sich Erwachsene und liegen die Toten. Jeder, der es wagt und sich nicht in Menschenmassen und Krach zu bet\u00e4uben sucht, kann in ihrer Stille und Verschwiegenheit Geborgenheit finden. F\u00fcr mich sollte diese Nacht kein Ende haben. Ob ich meine Augen schloss, oder mit klarem Blick auf diese Welt von ihr verschwand, war unerheblich, denn sie war schwarz und still, was ich auch tat. Diese Nacht wischte die Grenze beiseite, als sei sie nur ein fl\u00fcchtiger Traum, in Vergessenheit geraten, noch bevor man aus ihm ganz erwachte. Im Verborgenen brach ich die Spielregeln des Lebens und lie\u00df mich in eine undurchdringliche Dunkelheit fallen. Trank reine, statte Ewigkeit, bis nichts mehr zu w\u00fcnschen blieb. Als der Sumpf mich umfing, mich in seine Arme nahm und sachte hielt, da wusste ich, ich konnte ihm vertrauen. Er w\u00fcrde mein Geheimnis h\u00fcten. Er w\u00fcrde mich nie verraten und auch nicht preisgeben. Es war, als w\u00fcrde ich endlich nach Hause kommen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt einen Sumpf, nahe genug an der K\u00f6lner Bucht, um durch das gleiche Wasser beseelt zu sein, wie der gro\u00dfe Rhein. 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